Was tun, wenn die Kinder «ausgeflogen» sind, das Haus zu gross geworden und die Pension naht? Eine Paar kaufte in Oberstammheim ein rund 300-jähriges Riegelhaus und suchte sich den passenden Altbau-Architekten. Diesen fanden sie zwar nicht um die Ecke, jedoch im Netzwerk der Altbauweise. Weil der Architekt seinen Sitz im Appenzellerland hatte, schlug dieser der Bauherrschaft vor, die Bauleitung durch eine Altbauweise-Architektin aus Winterthur durchführen zu lassen, um Wegkosten zu minimieren. Diese aktivierte altbauversierte Handwerker ihrer Regionalgruppe, ergänzte diese durch verschiedene Unternehmungen in Objektnähe und fertig war das Planer- und Bauteam.
Dem hübschen Riegelhaus erging es wie vielen Wohnobjekten: Modernisierungen der letzten Jahrzehnte verdeckten die alte Bausubstanz unter Schichten von Spanplatten und Laminat-Parkett. Also startete die Bauherrschaft ihre Eigenleistungen und entfernten unter kundiger Begleitung des Altbau-Architekten alle abgehalfterten neuzeitlichen Lagen, die keinerlei Bezug zum historischen Riegelbau hatten. Zum Vorschein traten währschafte Balkenlagen, dicke Holzdielen, alte Riegelfelder, reizvolles Dachgebälk und originaler Kalkputz.


Auf Grundlage der Wünsche und Bedürfnisse der unkonventionellen Bauherrschaft entwickelte der Architekt ein Konzept, das die sorgfältige Renovation und Restaurierung der historischen Substanz vorsah. Ergänzend dazu wurden für Bad, WC und Küche moderne Einbauten aus hochwertigen Materialien entworfen, die bewusst einen atmosphärischen Kontrast zum Bestand bilden. Da keine originalen Treppen mehr vorhanden waren, wurden neue, filigrane Stahltreppen geplant. Farbgebung und gezielt eingesetztes Licht verleihen den Innenräumen zusätzlich Lebendigkeit.


Neben der ästhetischen Erneuerung wurden umfassende energetische Sanierungsmassnahmen umgesetzt. Die Gebäudehülle wurde gezielt verbessert, bestehende Dämmungen erneuert sowie Türen und Fenster ersetzt. Auch die gesamte Haustechnik wurde auf den heutigen Stand gebracht. Beheizt wird das Gebäude nachhaltig mit Stückholz aus dem eigenen Wald, wobei ein traditioneller Kachelofen und ein antiker Gestellofen die Wärmeversorgung übernehmen. Natürliche Materialien, eine stimmige Gestaltung und der individuelle Charakter der Räume schaffen eine hohe Wohnqualität und ein angenehmes Raumklima.


Die Zeit der Umsetzung war geprägt von einer konstruktiven Zusammenarbeit von Bauherrschaft, Architekt, bauleitender Architektin und engagierten und findigen Handwerkern, die mit Herzblut die Ideen zur Verwandlung der Innenräume umsetzten. Entstanden ist ein ausserordentliches «Altershöckli» mit Treppen zum Fitbleiben, einem Kachelofen mit wohliger Wärme, einer luftigen und ästhetischen Möblierung, einem Bad als Blickfang und historischen Räumen, die wieder ihre Geschichte erzählen können.


| Altbauweise St.Gallen-Appenzell | |
|---|---|
| Sensible Architektur Philipp Hostettler | Architekt |
| Vogel Fensterbauer AG | Fensterbau |
| BLUMER AG | Schreinerarbeiten |
| GESTAHLTER GmbH | Schlosserarbeiten |
| Ehrbar Parkett AG | Parkettarbeiten |
| Altbauweise Winterthur | |
|---|---|
| arba — atelier fürarchitektur und bauhandwerk | Bauleitung |
| RAUM EGGENBERGER | Bauleiterin |
Bauherrschaft
Privat
© Altbauweise St.Gallen-Appenzell, März 2026
Text: Philipp Hostettler
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